KW 25 war keine ruhige Woche. Microsoft hat eine Weiche gestellt, OpenAI hat die Börsenpläne offiziell gemacht, und ein chinesisches KI-Modell wächst schneller als alles, was wir kennen. Hier ist, was zählt.


Microsoft Copilot Cowork ist jetzt für alle verfügbar

Am 16. Juni hat Microsoft Copilot Cowork in die allgemeine Verfügbarkeit entlassen. Was das bedeutet: Du beschreibst eine Aufgabe, Cowork führt sie aus — quer durch Word, Excel, Outlook und Teams — und kommt mit einem fertigen Ergebnis zurück, nicht nur einem Entwurf.

Konkret: Ein Team hat laut Microsoft rund 4.000 Dateien über zwei Produktversionen verglichen. Arbeit, die sonst Wochen gedauert hätte. Ein Vertriebsleiter hat eine stockende Pipeline analysiert und zurückbekommen: eine priorisierte Liste gefährdeter Deals, mit dem genauen Kontakt, der kalt geworden war.

Das Modell läuft nutzungsbasiert auf Basis von „Copilot Credits”. Wer bereits eine Microsoft 365 Copilot-Lizenz hat, kann sofort loslegen. Abgerechnet wird ab sofort — Kunden aus dem Frontier-Programm bekommen Aufschub bis 1. Juli.

Was das für dich bedeutet: Wenn du M365 im Einsatz hast, lohnt sich ein genauer Blick. Nicht wegen des Hypes, sondern wegen des konkreten Zeitgewinns bei repetitiven Aufgaben. Wichtig: Prüfe vorher Datenschutz-Setup und Zugriffsrechte. Cowork sieht deine Mails, Dateien und Kalender.


OpenAI hat den S-1 eingereicht — der Börsengang kommt

Am 8. Juni hat OpenAI offiziell beim SEC einen vertraulichen S-1-Entwurf eingereicht. Wann der IPO kommt, ist noch offen. Sam Altmans Team schreibt selbst, es gebe Dinge, die als privates Unternehmen leichter umzusetzen seien. Aber die Option ist jetzt formal auf dem Tisch.

OpenAI nimmt inzwischen fast zwei Milliarden Dollar pro Monat ein — die Ausgaben wachsen aber schneller, der Verlust steigt.

Was das für dich bedeutet: Direkt nichts. Indirekt: Wenn OpenAI an die Börse geht, steigt der Druck auf Quartalszahlen. Das verändert Produktpolitik und Preisgestaltung. Wer heute auf ChatGPT oder die OpenAI-API setzt, sollte das im Blick behalten — und sich fragen, ob eine Abhängigkeit von einem einzigen Anbieter klug ist.


DeepSeek wächst schneller als jede andere KI-Software

Ein Datenpunkt, der aufhorchen lässt: Laut dem Finanzdienstleister Ramp, der Transaktionen von über 50.000 Firmenkunden auswertet, war DeepSeek im Juni 2026 der am schnellsten wachsende Software-Anbieter im Geschäftskundensegment — in den USA. Firmen zahlen direkt an DeepSeek und senden Daten an dessen Plattform.

Was das für dich bedeutet: DeepSeek-Modelle laufen open-source auch lokal. Wer die API von DeepSeek direkt nutzt, schickt Daten nach China. Das ist für viele Mittelständler ein Problem — Stichwort Datenschutz, Betriebsgeheimnisse, Kundenverträge. Open-Source-Modelle von DeepSeek lokal zu betreiben ist eine andere Sache. Das ist legitim und oft sinnvoll. Den Cloud-Dienst von DeepSeek solltest du vor dem Einsatz mit deinem Datenschutzbeauftragten besprechen.


Deutschland bekommt ein KI-Sicherheitsinstitut

Der Nationale Sicherheitsrat hat Anfang Juni beschlossen: Deutschland bekommt ein AI Security Institute. Das DE-AISI soll Chancen und Risiken von KI einschätzen und sich mit vergleichbaren Einrichtungen in anderen Ländern austauschen — ähnlich dem britischen AISI.

Was das für dich bedeutet: Kurzfristig wenig. Mittelfristig ist das relevant: Ein nationales Institut, das KI-Risiken bewertet, wird früher oder später Leitlinien produzieren, die in Ausschreibungen, Versicherungsverträge und Compliance-Anforderungen einfließen. Gut zu wissen, dass es diese Instanz gibt — und dass sie sich mit ausländischen Einrichtungen vernetzt.


Mehr Bot-Traffic als Mensch-Traffic — das Web verändert sich

Eine Zahl aus dieser Woche, die vielen nicht auf dem Radar ist: Laut Cloudflare-Chef Matthew Prince gehen inzwischen rund 57 Prozent des HTML-Verkehrs auf Bots zurück. Der Haupttreiber: KI-Agenten, die im Auftrag von Nutzern Tickets buchen, Preise vergleichen oder Reisen planen.

Was das für dich bedeutet: Zwei Konsequenzen, die Mittelständler kennen sollten.

  • Für deinen Webauftritt: Klassische SEO greift immer weniger. Wenn KI-Agenten deine Seite als Datenquelle nutzen, zählt, wie gut strukturiert und maschinenlesbar deine Inhalte sind — nicht nur, wie gut sie ranken.
  • Für dein Geschäftsmodell: Wenn Kunden über KI-Agenten bestellen, buchen oder anfragen, verändert das den Erstkontakt. Wer das ignoriert, verliert Sichtbarkeit — nicht durch schlechtes Marketing, sondern weil seine Systeme nicht mit Agenten sprechen.

Das war KW 25. Nächste Woche schauen wir weiter.

Olga Reyes-Busch
Sonnige Grüße, Olga

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