Jedes Meeting endet gleich: Jemand muss das Protokoll schreiben. Meistens derjenige, der am wenigsten reden wollte. Das Ergebnis landet als halbgares Word-Dokument in einer Ordnerstruktur, die niemand mehr findet. Zwei Wochen später fragt jemand: “Was hatten wir da nochmal beschlossen?”

Das geht besser. Mit einem durchdachten KI-Workflow sparst du pro Meeting zwischen 20 und 45 Minuten — und die Qualität der Dokumentation steigt gleichzeitig.

Hier ist der Workflow, den ich empfehle.

Schritt 1: Transkript automatisch erzeugen

Bevor KI ein Protokoll schreiben kann, braucht sie Text. Kein Mensch tippt mit — das erledigt ein Transkriptions-Tool.

Für Teams, die hauptsächlich in Google Meet oder Zoom arbeiten, sind Fireflies.ai und Otter.ai die naheliegendsten Optionen. Beide fügen sich als Bot ins Meeting ein, hören mit und liefern nach dem Call ein vollständiges Transkript.

Wichtige Punkte vorab:

  • Informiere alle Teilnehmer, dass das Meeting aufgezeichnet und transkribiert wird. Das ist keine Formsache, sondern rechtlich relevant.
  • Prüfe, ob eure Datenschutzrichtlinien und ggf. Betriebsvereinbarungen das erlauben.
  • Für sensible Themen — Personalentscheidungen, Verhandlungen mit Partnern — schaltest du den Bot einfach aus.

Das Transkript ist roh. Füllwörter, Wiederholungen, Abschweifungen — alles drin. Genau das willst du aber als Ausgangsmaterial, nicht eine KI-Zusammenfassung aus der Tool-eigenen Blackbox.

Schritt 2: Das Transkript in Claude oder ChatGPT einlesen

Hier beginnt die eigentliche Arbeit. Du kopierst das Transkript in Claude oder ChatGPT und gibst einen klaren Prompt.

Der Prompt macht den Unterschied. Ein schlechter Prompt liefert einen Fließtext, den du trotzdem nochmal umschreiben musst. Ein guter Prompt liefert direkt ein verwendbares Protokoll.

Prompt-Pattern, das funktioniert:

Hier ist das Transkript eines Meetings. Erstelle daraus ein strukturiertes
Protokoll mit genau diesen Abschnitten:

1. Teilnehmer & Datum
2. Worum es ging (3–4 Sätze)
3. Entscheidungen (nur, was wirklich beschlossen wurde)
4. To-dos (Tabelle: Aufgabe | Verantwortlich | Frist)
5. Offene Punkte fürs nächste Meeting

Lass Smalltalk und Abschweifungen weg. Wenn etwas unklar bleibt, markiere es
mit [unklar] — statt zu raten.

Transkript:
[hier einfügen]

Der entscheidende Satz ist der letzte. KI neigt dazu, Lücken mit plausiblen Erfindungen zu füllen. Die Anweisung, Unklares zu markieren statt zu raten, ist dein wichtigster Schutz gegen ein Protokoll, das gut klingt, aber falsch ist.

Schritt 3: Protokoll ablegen und verteilen

Ein Protokoll, das niemand findet, ist kein Protokoll. Leg dir einen festen Ort fest — eine Notion-Datenbank, ein geteilter Ordner, der passende Projektkanal — und halte dich daran. Tools wie Notion AI können das Protokoll direkt am richtigen Platz ablegen, mit Datum und Teilnehmern verschlagworten und die To-dos den jeweiligen Personen zuweisen.

Faustregel: Das fertige Protokoll geht noch am selben Tag raus, solange alle das Meeting im Kopf haben.

Der Schritt, den die meisten vergessen: Gegenlesen

Auch das beste Prompt-Pattern liefert einen Entwurf, kein Endergebnis. Überflieg das Protokoll einmal, bevor es rausgeht — besonders die zwei Stellen, an denen Fehler teuer werden: Entscheidungen und Fristen. Genau hier darf sich keine KI-Erfindung einschleichen.

Das kostet zwei Minuten. Die Verantwortung für das, was im Protokoll steht, bleibt beim Menschen — die KI nimmt dir nur das Tippen ab, nicht das Prüfen.

Was das im Alltag bringt

Aus „Wer schreibt das Protokoll?” wird ein Workflow, der nach dem Meeting fast von allein läuft: mitschneiden, einlesen, prüfen, ablegen. 20 bis 45 Minuten gespart — pro Meeting. Bei einem Team mit vielen Terminen summiert sich das schnell auf einen halben Tag pro Woche.

Wenn du so einen Workflow einmal sauber für dein Team aufsetzen willst — inklusive Datenschutz und passender Tool-Auswahl — machen wir das im Erstgespräch konkret.

Olga Reyes-Busch
Sonnige Grüße, Olga

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