Diese Woche war wieder eine dieser Wochen, in der ich meinem Postfach nicht traue. Drei Entwicklungen, die ich wirklich für relevant halte, nicht weil sie laut waren, sondern weil sie Konsequenzen haben. Für Unternehmen, für Teams, für die Art, wie wir in einem Jahr arbeiten werden.

KI-Modelle werden kleiner und das ist wichtiger als GPT-5

Die Aufmerksamkeit geht immer zu den großen Modellen. GPT-5, Gemini Ultra, Claude Opus: wer hat die beste Benchmark-Zahl. Was aber wirklich passiert, ist das Gegenteil: Die Modelle, die gerade für Unternehmen interessant werden, sind die kleinen.

Microsoft hat diese Woche neue Ergebnisse für seine Phi-3-Modellfamilie veröffentlicht. Phi-3 Mini hat gerade mal 3,8 Milliarden Parameter (zum Vergleich: GPT-4 hat schätzungsweise über eine Billion). Trotzdem schlägt Phi-3 Mini viele größere Modelle bei Aufgaben, die in Unternehmen tatsächlich vorkommen: E-Mails zusammenfassen, Code-Snippets prüfen, Dokumente analysieren.

Was bedeutet das konkret? Kleine Modelle lassen sich lokal auf einem eigenen Server betreiben. Kein Cloud-Vertrag, keine Datenschutzbedenken, keine monatlichen API-Kosten, die außer Kontrolle geraten. Für Unternehmen im Mittelstand, die mit sensiblen Kundendaten arbeiten oder in regulierten Branchen tätig sind, ist das kein technisches Detail. Das ist ein echter Türöffner.

Quelle: Microsoft Research: Phi-3 Technical Report

Google steckt KI in jeden Arbeitsschritt, ob du willst oder nicht

Google hat diese Woche bei seinen Workspace-Updates gezeigt, wohin die Reise geht. Gemini ist jetzt tiefer in Docs, Sheets, Gmail und Meet integriert als je zuvor. Automatische Meeting-Zusammenfassungen, Entwürfe, die sich am eigenen Schreibstil orientieren, Tabellen, die sich aus natürlicher Sprache aufbauen.

Das klingt harmlos. Und ist es auch, wenn die Menschen im Team verstehen, was gerade passiert. Das Problem: In den meisten Unternehmen schaltet jemand diese Features ein, und dann sind sie einfach da. Ohne dass jemand erklärt hat, was mit den Daten passiert, wer Zugriff hat und wie man das überhaupt sinnvoll nutzt.

Ich habe diese Woche mit zwei Kunden gesprochen, bei denen genau das passiert ist. Features aktiv, keine Strategie, kein Rollout, keine Kommunikation ins Team. Das Ergebnis: Misstrauen und Verwirrung, obwohl die Technologie an sich gut ist.

Mein Tipp, wenn ihr Google Workspace nutzt: Schaut jetzt nach, welche KI-Features gerade automatisch aktiv sind. Dann entscheidet bewusst, was ihr einführen wollt, und erklärt es eurem Team. Nicht rückwärts.

Quelle: Google Workspace Blog, April 2026

Llama 4 Scout: Open Source schlägt proprietäre Modelle

Meta hat mit Llama 4 Scout ein Modell veröffentlicht, das in mehreren Benchmarks GPT-4 Turbo übertrifft und das vollständig Open Source ist. Wer will, kann es herunterladen, lokal betreiben, anpassen und in eigene Produkte einbauen. Ohne Lizenzkosten, ohne Nutzungsbeschränkungen, ohne Vendor-Lock-in.

Für den Mittelstand ist das aus einem ganz bestimmten Grund interessant: Wettbewerbsvorteile entstehen nicht mehr durch den Zugang zu einem Modell, sondern durch das Wissen, wie man es einsetzt. Jeder kann jetzt dieselbe KI-Qualität nutzen. Die Frage ist nur noch, wer sie am klügsten in seine Prozesse einbaut.

Das verschiebt den Fokus erheblich. Nicht mehr: Welches Tool kaufen wir? Sondern: Welche internen Kompetenzen bauen wir auf? Welche Prozesse passen wir zuerst an? Wer im Team übernimmt Verantwortung?

Quelle: Meta AI Blog, Llama 4 Announcement

Was ich diese Woche empfehle

Wenn ich eine Sache herausgreifen müsste: Macht eine ehrliche Bestandsaufnahme, welche KI-Werkzeuge ihr gerade stillschweigend bezahlt oder nutzt, ohne eine klare Strategie dahinter zu haben. Das betrifft meistens Copilot in Microsoft 365, Gemini in Google Workspace oder irgendein Tool, das jemand im Team eingeführt hat und das seitdem einfach läuft.

Dreißig Minuten, eine Liste: Was ist aktiv? Was kostet es? Was nutzen wir wirklich? Was weiß das Team darüber? Diese Liste ist mehr wert als jede KI-Strategie-Präsentation.

Fragen zu einer dieser Entwicklungen, oder ihr wollt wissen, was das für euer konkretes Unternehmen bedeutet? Meldet euch einfach oder bucht direkt ein kurzes Gespräch.

Olga Reyes-Busch
Sonnige Grüße, Olga

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